Was ist "Model United Nations"?

In Kiel, im Landtag von Schleswig-Holstein, findet jedes Jahr ein Planspiel der Vereinten Nationen statt. Die Teilnehmer vertreten dort einen Staat oder eine nichtstaatliche Organisation auf dem diplomatischen Parkett der UN. Drei Tage lang wird diskutiert und im Großen und Ganzen die Arbeit der UN nachempfunden. Und die zehn Delegierten aus dem Goethe-Gymnasium vertraten, unterstützt von ihrem Kursleiter Herr Bartmann, bei dem Planspiel die Positionen von Frankreich und Mexiko. Rund 500 Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt waren nach monatelangen Vorbereitungen für fünf Tage zu Gast in Kiel, um sich den aktuell drängenden Problemen der Staatengemeinschaft zu widmen. Es galt, in drei intensiven Sitzungstagen im Landtag Lösungen zu finden und diese in Resolutionen gemeinsam zu formulieren und – möglichst im Konsens – zu verabschieden. Oft gelang die Einigung erst nach langen, zermürbenden, oft aber auch spannenden Debatten mit den anderen Delegierten von Mitgliedsstaaten der UN und Vertretern der nichtstaatlichen Akteure. 

Impressionen von MUN 2026

Model United Nations 2026- Was Mexiko und Frankreich in Kiel machen

Mexiko und Frankreich im nördlichste Bundesland Deutschlands? Was auf den ersten Blick wie ein Rätsel wirkt, war für für 10 Schüler:innen für fünf Tage Realität. In Kiel, im Landtag von Schleswig-Holstein, findet nämlich jedes Jahr ein Planspiel der Vereinten Nationen statt. Die Teilnehmer:innen vertreten dort einen Staat oder eine nichtstaatliche Organisation auf dem diplomatischen Parkett der UN. Drei Tage lang wird diskutiert und im Großen und Ganzen die Arbeit der UN nachempfunden. Und die zehn Delegierten aus dem Goethe-Gymnasium vertraten, unterstützt von ihrem Kursleiter Herr Bartmann, bei dem Planspiel die Positionen von Frankreich und Mexiko.

Aber erst einmal von vorne. Die Vorbereitungen fingen schon bald nach Beginn des Schuljahres an. Bei unserem ersten Treffen mussten wir uns zunächst entscheiden, welches Land wir in Kiel vertreten wollten. Am Ende konnten wir uns in unserer Gruppe auf zwei Länder einigen, für die wir uns bewerben wollten. Eine Gruppe, bestehend aus Zweitteilnehmern der Q12, wollte mit Frankreich antreten, die zweite Gruppe, bestehend aus Erst- und Zweitteilnehmern, nahm sich Mexiko vor.

Wir hatten eine gute Bewerbung und auch etwas Glück: Beide Gruppen erhielten auf Anhieb ihre Wunschrolle auf der Konferenz zugeteilt. Sofort ging es an die ernsthafte Einarbeitung in die Themen, die in Kiel debattiert werden sollten. Der Sicherheitsrat bereitete sich beispielsweise auf das brisante Thema Iran-Krieg vor, die Generalversammlung auf den Schutz von Whistleblowern, und der Menschenrechtsrat wollte sich mit der menschenrechtswidrigen Verhaftung politischer Oppositioneller befassen. Die Vorbereitung schloss das Verfassen und Einreichen von Positionspapieren - ein Text, der die Meinung des zu vertretenden Landes zum Thema darstellt- und Arbeitspapieren – ein Resolutionsentwurf mit einem Lösungsvorschlag- ein. Ein koordiniertes Rhetoriktraining für die Erstteilnehmer durfte natürlich auch nicht fehlen. Dann hieß es nur noch auf den großen Termin warten. Bereits in dieser Phase kooperierten wir mit der Schiller-Schule Hannover, die ebenfalls seit vielen Jahren mit Delegationen in Kiel vertreten ist.

12.3.2026. Der Tag der Hinfahrt war gekommen. Die Delegierten aus Regensburg waren sehr aufgeregt. Die Zugfahrt nach Kiel, dem Ort der Veranstaltung, verging wie im Flug. Alle waren mit der weiteren Vorbereitung auf die Konferenz beschäftigt. Die ganzen acht Stunden wurde an Positions- und Arbeitspapieren gefeilt, sich genauer über sein Land informiert und nach möglichen Verbündeten gesucht. Als wir ankamen, trafen wir mit unseren Partnern von der Schiller-Schule im Hotel zusammen. Nach einer kurzen Einlebezeit im Hotelzimmer mussten wir dann auch schon zum ersten offiziellen Veranstaltungspunkt, der Eröffnungsveranstaltung. Dort wurde von der Landtagspräsidentin von Schleswig-Holstein - als Schirmherrin - und anderen Ehrengästen Grußworte gesprochen und das Planspiel feierlich eröffnet. Natürlich versuchte man dort auch schon erste Kontakte zu knüpfen.

13.3.2026.  Der erste Konferenztag des Planspiels. Im Kieler Landtag ging es schon richtig zur Sache. Es wurde überlegt, geredet, debattiert und sogar gestritten. Der diplomatische Sprechton wurde dabei aber nie verlassen. So war beispielsweise eine Rede nur möglich, wenn man vorher den Vorsitz, die Mitdelegierten, die Gäste, die NGO‘s und, falls gerade anwesend, die Generalsekretärin - die ranghöchste Repräsentatin der UN- begrüßte. Am Ende des Tages war jedes Gremium stolz darauf, was es geschafft hatte. Der Tag endete mit einem wissenschaftlichen Input: interessanten Vorträgen von Experten.

14.3.2026. Heute wurde es richtig ernst. Die ersten Resolutionsentwürfe – also Lösungsvorschläge- wurden greifbar und bis in kleinste Details ausgearbeitet. Die FFS (Fachkomission für Suchtstoffe) beispielsweise hatte mindestens 20 Änderungsvorschläge zu bearbeiten und der Menschenrechtsrat diskutierte drei Stunden über im Prinzip nur drei Wörter der künftigen Resolution. Besonders heftige Wortgefechte lieferten sich dabei Frankreich und China. Am Ende lohnte es sich aber. Der Menschenrechtsrat verabschiedete seine erste Resolution nach dem langen Ringen einstimmig. Am Ende eines Arbeitstags von zwölf Stunden stand damit ein großer Erfolg.

15.3.2026. Der abschließende Sonntag war ein kürzerer Arbeitstag, trotzdem war dieser Tag ebenfalls facettenreich. So startete die Generalversammlung nach den zähen Debatten der Vortage einen Speedrun, wo nun alle Prozesse fast mit doppelter Geschwindigkeit bewältigt wurden, um doch noch die Konferenz mit einer Resolution abschließen zu können. der Menschenrechtsrat schaffte es sogar eine zweite Resolution zu verabschieden. Gegen Ende der Konferenz wich die Ernsthaftigkeit und wir gingen unter Leitung des Vorsitzes zu Spaßdebatten über. So wurden beispielsweise in der Umweltversammlung die Seegurken als Teil in die UN aufgenommen. Am Abend wurde das Planspiel Model United Nations 2026 mit der Präsentation der Ergebnisse auf dem Diplomatenball feierlich beendet.

16.3.2026. Die Heimreise. Und man sah den Schüler:innen an, wie viel diese Tage sie weitergebracht haben. Die Tage waren gleichsam anstrengend wie unvergesslich. Am Abend kamen die Delegierten am Regensburger Bahnhof an. Noch rechtzeitig, um zum Frühlingskonzert der Schule zu gehen…

Mia Zwosta